Korsika - Tour 3

Von Ghisonaccia über Zonza - Solenzara - Sartene - Bonifacio und zurück nach Ghiosonaccia


Unsere 3. Tour soll eine Mischung aus einer gemütlichen Bergtour, Sight-seeing in Bonifacio und einem abschliessendem cruisen über die Küstenstrassen zurück zu unserem Ferienziel sein.

 

Etappenübersicht:

Zu unserer Ausrüstung sollte auf jeden Fall ein paar kurze Hosen und bequeme Schuhe und wie üblich die Badehose gehören.

Mit Lederkombi durch Bonifacio ist vieleiciht ein bisschen zu warm.

Beginnen werden wir wie immer an unserem Ausgangspunkt in Ghisonaccia.

Etappe 1: Von Ghisonaccia nach Zonza - ca. 64 km   / 60 - 70  Min.


Die ersten beiden Etappenziele (Solenzara und Zonza) sind uns schon von der ersten Tour bekannt und brauchen daher keiner besonderen Erklärung mehr. Wir befahren die D268 Richtung Bavella Pass. Die Bade Gumpen lassen wir heute mal links liegen, denn wir haben doch noch einiges vor. In Zonza angekommen haben wir für Heute schon den höchsten Punkt (800 m.ü.M.) unserer Tour erreicht.




Nach Zonza kommen wir in ein Gebiet, dass wir bisher noch nicht befahren haben. Die kommenden 40 km sollten wir geniessen, den spätestens in Sartene sind die kurvenreichen Strassen für heute Geschichte.

Etappe 2: Von Zonza nach Sartene - ca. 38 km / 40 Min.



Wir befinden uns noch immer auf der Passstrasse des Bavella Massivs. Bis die fast unendlichen Kiefern-Wälder ihr Ende erreichen wird sich das auch nicht ändern. An dem Dörfchen Levie kommen wir an dem kleinen Häuschen auf dem folgenden Foto vorbei. Ich hoffe es wird nicht im gleichen Zustand sein wie im Foto. Sonst müssten wir die langen Unterhosen auspacken. Aber auch das ist Korsika.




Wir erreichen eines der malerischsten Dörfer Korsikas Sainte Lucie-de-Tallano, hoch über dem Rizzanese-Tal, 19 km nordöstlich Sartènes. Berühmt ist der Ort bei den Mineralogen aus der ganzen Welt wegen des graugrünen Diorits (Diorit orbicularis) mit schwarz-weißer Zeichnung, ein seltener und begehrter Stein, den Michelangelo für einen Teil der berühmten Grabmalskulpturen in der Medici-Kapelle zu Florenz verwendete.

Eine andere Berühmtheit hat das Dorf aber durch eine Familienfehde erhalten. Hier die spannende Geschichte dazu. Wenn's nicht interessiert kann auch weiter scrollen

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Man schreibt das Jahr 1819. In Sainte Lucie-de-Tallano, damals ein winziges Dörfchen, tragen zwei Familien eine heftige Fehde aus: die Poli und die Giacomoni. Es geht um die Macht im Dorf. Den Bürgermeister stellt die Familie Giacomoni. Die Auseinandersetzung um ein umstrittenes Wegerecht führt zum ersten Mal zu Handgreiflichkeit. Ein Poli unternimmt einen Mordversuch an einem Giacomoni. Ein Schwurgericht verurteilt das Oberhaupt der Sippe der Poli zu einer Gefängnisstrafe. Die Beziehungen zwischen beiden Familien sinken auf den Nullpunkt, aber es dauert doch elf Jahre bis zur nächsten Katastrophe. Vier Menschen kommen dabei ums Leben, von jeder Familie zwei. Niemand weiß genau, wie die Schießerei ihren Anfang nahm, was letztlich der Grund dafür war.
Jetzt häufen sich die Mordanschläge. Die Einwohner von Sainte-Lucie wagen sich kaum mehr aus den Häusern, wenn die Nacht hereinbricht. Türen werden verbarrikadiert, Fenster verschanzt, die Gassen sind leer. Man ruft nach der Gendarmerie. Der Militärgouverneur von Korsika winkt ab, auch in anderen Dörfern der Insel herrsche Unsicherheit, überall müßte dann Polizei stationiert werden.
Vier Jahre hält dieser Zustand an, dann kommt es wieder zu einer Serie von Verbrechen. Im Januar 1834 werden in der Nähe von Sainte-Lucie zwei Angehörige der Familie Poli von Jacques Giacomoni, einem Sohn des Bürgermeisters, umgebracht. Er rächt sich damit für einen Doppelmord, den Poli an einem seiner Brüder und einem Vetter verübt hatte. Entsetzen und Ratlosigkeit unter den Dorfbewohnern: »Diese Vendetta muß ein Ende nehmen, sonst wird das ganze Dorf ausgerottet.« Dank eines Vermittlers kommt eine Annäherung zwischen den verfeindeten Familien zustande: Im Dezember 1834 wird vor dem Notar von Sartène ein regelrechter Friedensvertrag unterschrieben. Eine Messe und ein Bankett beschließen den denkwürdigen Tag. Aber dieses Abkommen ist nicht mehr als ein Waffenstillstand, der wiederum nur knapp vier Jahre dauert. Um die Familien Poli und Giacomoni endgültig zu versöhnen, willigt der Bürgermeister ein, Pierre Poli, dem Sohn seines früheren Erzfeindes, die Hand seiner Nichte Serena zu geben. Serena ist eine berückende Schönheit, die schon manchem Burschen in Sainte-Lucie den Kopf verdreht hat. Aber auch Pierre kann sich sehen lassen. Eine Heirat zwischen Serena Giacomoni und Pierre Poli erscheint allen als Garantie einer endgültigen Versöhnung.
Aber die Liebesstrategie erreicht das gewünschte Ziel nicht, denn Pierre Poli liebt insgeheim ein anderes junges Mädchen, das in Levie, einer benachbarten Gemeinde, wohnt. Es kommt zum Skandal. Serena im prächtigen Brautkleid wartet vergeblich auf ihren Verlobten, der sie zum Altar führen soll. Auch die Kirchenglocken läuten den Bräutigam nicht herbei. Pierre hat sich am selben Tag nach Levie aufgemacht, um die heimliche Geliebte zu heiraten.
Er kommt freilich nicht weit: Jacques Giacomoni, der Sohn des Bürgermeisters, stellt ihm unterwegs einen Hinterhalt und bringt nicht nur den Abrünnigen Bräutigam um, sondern auch dessen Vetter, damit es keinen Tatzeugen gibt. Jacques Giacomoni ist nicht allein, als er seine Untat begeht, sondern in Begleitung eines Vetters, des zwanzigjährigen Antoine Santa-Lucia. Beide flüchten in die Macchia, die Polizei sucht sie, ohne Erfolg.
Im Dorf eine Mauer des Schweigens. Die Menschen handeln nach dem Grundsatz: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Doch dann kommt Licht ins Dunkel der Greueltat. Mehr als fünfzig Leute belasten immer wieder einen Mann, der Jacques Giacomoni und Antoine Santa-Lucia geholfen haben soll: Es ist ­ kaum zu glauben ­ der Pfarrer. Er ist ein Bruder des flüchtigen Antoine. Der Pfarrer Jean Santa-Lucia wird vor ein Schwurgericht gestellt und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Doch der gesuchte Antoine Santa-Lucia ist nach wie vor auf freiem Fuß. In der Tasche trägt er ein Heft, in dem die Namen all jener stehen, die gegen seinen Bruder vor dem Schwurgericht ausgesagt haben. Jedesmal wenn er einen dieser Zeugen umgebracht hat, reißt er eine Seite aus dem Heft heraus und vertraut die Todesnachricht dem Wind an.
Die Polizei, die jetzt mit mehreren Dutzend Gendarmen nach dem Flüchtigen fahndet, ist unfähig, dem Blutvergießen Einhalt zu gebieten. »Perdonu un ci sarà chi decisu e trapassu« (Vergebung wird es nicht geben, der Tod aller ist beschlossen), schreibt Antoine an den Staatsanwalt.
Einige Morde sind besonders grausam. So sticht er einem siebzigjährigen Bauern die Augen aus und läßt ihn liegen, nachdem er ihm einen Zettel mit den Worten »So straft Santa-Lucia die falschen Zeugen« auf die Brust geheftet hat. Einen anderen erdolcht er, während er, als Frau verkleidet, mit ihm tanzt. Ein Arzt, der vor Antoine nach Ajaccio flieht, wird von einer Pistolenkugel ins Herz getroffen, als er einem »englischen Touristen« eine Auskunft erteilt.
Ein Zollbeamter, der die Tat beobachtet hat, will mit gezogenem Revolver dem Mörder den Weg versperren. Er wird überwältigt und seiner Waffe beraubt. Antoine schickt sie später dem Statthalter von Korsika zurück und schreibt dazu: »Entschuldigen Sie bitte, daß das Schicksal mich vom rechten Weg abgebracht hat. Hierbei mit meinen besten Empfehlungen die Waffe zurück.« Alle fünfzig Zeugen werden von ihm getötet, dann ward er nie mehr gesehen.
Jacques Giacomoni ­ der zusammen mit Antoine die sitzengelassene Serena gerächt hatte ­ wird 1848, zehn Jahre nach seiner Bluttat, von Gendarmen niedergeschossen. Es gibt allerdings auch das Gerücht, daß er sein Leben als Gesandter einer südamerikanischen Republik beschlossen haben soll.


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Soweit die Geschichte zweier korsischer Familien.
Aber weiter geht die Fahrt durch die Wälder Korsikas Richtung Süden, bis wir auf die N196 treffen die aus Ajaccio kommt. Vorher treffen wir aber noch auf die schöne Brücke im Bild unten.




Unser Etappenziel Sartene ist ein kleines Städtchen in der Bergen das uns aber schon einen kleinen Vorgeschmack auf Bonifacio gibt. Der Ort wird auf Korsika als „die korsischste aller korsischen Städte“ bezeichnet. Der gewagte Baustil an den Klippen und Hängen sind fast identisch mit Bonifacio. Nur sucht man hier das Meer vergebens.



Weiter geht unsere Fahrt nun wieder mit Blick aufs Meer vorbei am "Ayers Rock" von Korsika bis dann über den Klippen eine Stadt auftaucht: Bonifacio, die heimliche Haupstadt Korsikas.




Etappe 3: Von Sartene nach Bonifacio - ca. 51 km / 60 Min.


Endlich angekommen in der Klippenstadt stellt man die Motorräder am besten auf den grossen Parkplatz oberhalb der Stadt.


In Bonifacio hat man mehrere Möglichkeiten der Sight Seeing Tour. am besten kauft man ein Ticket des kleinen Strassenbahnzuges der ständig um die Stadt herumfährt. Man kann dabei aus- und wieder einsteigen wo und wann man will. Die alte Festung in der Nähe des Parkplatzes bietet sich als erste Station der Stadtbesichtigung an. Man gelangt dann auch automatisch wieder in die sehr schöne Innenstadt.


Die engen Gässchen und die kleinen Wasserbrücken die von Haus zu Haus gehen sind in Bonifacio einmalig. Die Wasserbrücken stellen die Wasserversorgung der Stadt sicher.



Den einsamen Felsen vor Bonifacio kann man auch mit dem Schiff aus der Nähe ansehen. Die Schiffstour ist bei unruhigem Meer eine echte Herrausforderung für den Mageninhalt! Aber auf jeden Fall empfehlenswert. Man fährt auch mit dem Schiff zur wohl bekanntesten Grotte Korsikas. An der Grottendecke ist eine Öffnung, die mit ein wenig Fantasie, den Umrissen Korsikas ähnelt.




Eine besondere Attraktion stellt die Escalier duRoi d'Aragon (Treppe des Königs von Aragonien) dar. Sie wurde schräg in den senkrecht abfallenden Felsen gehauen und bildet über 187 großen Stufen einen Zugang zum Meer. Der Legende zufolge soll sie während der vergeblichen Belagerung durch die Spanier 1420 in einer Nacht angelegt worden sein. Tatsächlich ist die Treppe aber deutlich älter. Die Stufen sind ungewöhnlich hoch und oft glitschig, so dass FlipFlops oder hohe Absätze nicht zu empfehlen sind.

Von dieser Seite der Stadt hat man auch einen guten Blick auf die benachbarte Insel Sardinien. Von Bonifacio nach Santa Teresa Gallura auf Sardinien sind es gerade mal 16 km. Mit der Fähre kann man in gut einer Stunde in Italien sein, wenn man will! Aber wir wollen nicht, und sehen uns noch ein bisschen in der bizarren Stadt um.



Ein Tip für die Damen ist sicher das Hafenviertel in der die grossen Jachten und Segelboote der Reichen dieser Welt vor Anker liegen. Denn wo die Reichen sind sind auch Boutiqen und Läden mit allem was Frauenherzen wünschen.
Also Männer achtet auf Euere Geldbeutel und Kreditkarten!!!







Mit dem kleinen Strassenzug kommen wir nach unserer Stadtbesichtigung bequem wieder zu unseren Bike's.


Etappe 4: Von Bonifacio nach Ghisonaccia - ca. 88 km / 90 - 100 Min.


So, genug gesehen von Bonifacio. Ab auf die Bike's und zurück über die N198 Richtung Bastia.
Ein paar Kilometer nach Bonifacio kommt man sich vor wie in den USA. Es geht Kilometer weit schnurgeradeaus. Nach den vielen Kurven der vergangenen Touren auch mal nicht schlecht.




Santa Giulia ist einer der schönsten Strände im Süden Korsikas. Der Weiße Sandstrand mit kristallklarem Wasser liegt zwischen Porto Vecchio und Bonifacio, nur ca. 1 km von der Hauptstrasse entfernt und über einen Feldweg gut erreichbar.

Nach einer kurzen Abkühlung geht es aber wieder Richtung Norden. Wir haben noch ca. 65 km vor uns, und die können auf der vielbefahrenen Nord/Südverbindung recht mühsam werden. Aber auf den sehr übersichtlichen Strassen ist das Überholen
(zumindest für PS Starke Motorräder) kein Problem.
Sobald wir Porto Vecchio erreicht haben sind wir wieder auf der uns bekannten Strecke die auch schon in der ersten Tour beschrieben wurde.


Zusammenfassung der Strecke:

Die Strecke ist alles in allem ca. 240 km lang. Man kann natürlich den Abstecher über Zonza und Sartene weg lassen und direkt nach Bonifacio zum Sight Seeing fahren dann kommt man aber immerhin noch auf ca. 170 km. Der Charakter der Strecke ist in den Bergen mässig, und auf der Küste entlang eher leicht. Die Landschaft wechselt sehr stark von einsamen Bergdörfern, grandiosen Meeresblicken und einer Stadt (Bonifacio) die man einfach gesehen haben muss.


Highlights dieser Strecke sind sicher die herrliche Bergwelt rund um Zonza, die Küstenstadt Bonifacio mit seinen steilen Klippen und ein Bad am Sandstrand von Santa Giulia.

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Quellennachweis: Korsika Motorrad-Führer Rukka; Google Earth; Privatarchiv